Die Maßnahme zum Verzicht auf langfristige Lieferverträge für LNG in Deutschland zielt darauf ab, die Bindung an fossile Brennstoffe zu lockern und den Übergang zu klimaneutralen Energiequellen zu erleichtern. Durch die Bevorzugung kürzerer Vertragslaufzeiten und die Umrüstung der LNG-Infrastruktur für den Umschlag von Wasserstoff soll die Flexibilität in der Energieversorgung erhöht und die Einhaltung von Umwelt- und Menschenrechtsstandards gefördert werden.
Durch den Verzicht auf langfristige LNG-Lieferverträge wird eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um schnell auf nachhaltigere Energieformen umzusteigen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Diese Strategie unterstützt zudem die dynamische Anpassung an den Energiemarkt und fördert Investitionen in zukunftsfähige, erneuerbare Energietechnologien und -infrastrukturen.
Bis 2050 könnten die kumulierten LNG-Emissionen rund 10 % des im Rahmen des Pariser Klimaabkommens verbleibenden weltweiten Kohlenstoffbudgets verbrauchen.
Quelle: urgewald (2023)
Europa verfügt – insbesondere in Szenarien mit sinkender Nachfrage - künftig über ausreichend LNG- Importkapazität und nutzt diese bis 2035 zur Kompensation fallender Pipelineimporte.
Quelle: Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln (2023)
Ausführliche Maßnahmenbeschreibung
Die Entscheidung gegen langfristige LNG-Lieferverträge reflektiert einen entscheidenden Schritt hin zu einer resilienteren und nachhaltigeren Energieversorgung in Deutschland, die gleichzeitig den Übergang zu alternativen Energiequellen wie Wasserstoff vorantreibt. Ein zentraler Aspekt dieser Maßnahme ist die notwendige Umrüstung der LNG-Terminals, um sie für den Umschlag und die Verteilung von Wasserstoff nutzbar zu machen, eine Initiative, die die Infrastruktur zukunftsfähig gestaltet. Die Strategie betont zudem die Wichtigkeit, Erdgas ausschließlich aus Regionen zu beziehen, die umweltverträgliche Fördertechniken anwenden, Mindestumweltstandards übertreffen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen sicherstellen. Langfristige Verträge bergen das Risiko, den notwendigen Wandel hin zu erneuerbaren Energien zu verzögern, finanzielle Mittel in nicht zukunftsfähige Technologien zu binden und Deutschland in einer Zeit globaler Klimakrisen und steigender Energiepreise in seiner Handlungsfähigkeit einzuschränken. Sie verhindern eine schnelle Reaktion auf sich ändernde Marktbedingungen und technologische Entwicklungen und können somit die Energiewende und die Erreichung der Klimaziele maßgeblich behindern.
Hintergrund
Langfristige Lieferverträge für LNG sind verbindliche Vereinbarungen zwischen einem LNG-Lieferanten und einem Abnehmer, in der Regel Energie- oder Versorgungsunternehmen, die den Kauf und Verkauf von LNG über einen bestimmten Zeitraum, häufig 10 bis 20 Jahre oder länger, regeln. In diesen Verträgen werden die Lieferbedingungen, der Preis, die Liefermengen und die Laufzeit genau festgelegt. Der langfristige Charakter dieser Verträge ermöglicht es den Beteiligten, erhebliche Investitionen in die erforderliche Infrastruktur wie LNG-Terminals, Schiffe und Verdampfungsanlagen zu tätigen und zu finanzieren, und bietet ihnen eine stabile und vorhersehbare Einnahmequelle sowie Versorgungssicherheit. Die Preismodelle in diesen Verträgen können an Ölpreisindizes gekoppelt sein oder Festpreise bzw. an andere Energiemärkte gekoppelte Preise beinhalten, die die Preise für die Vertragslaufzeit oder durch Anpassungsmechanismen regeln.
Potentiale
Infolge der Abkehr von Frackinggas wird zu aktivem Umwelt- und Klimaschutz in den Bezugsländern und weltweit beigetragen. Problematisch ist allerdings, dass ausgerechnet Frackinggas z.B. aus den USA auf dem Weltmarkt besonders günstig verfügbar ist, so dass die deutschen Mindermengen mit großer Sicherheit durch andere Interessenten substituiert werden.
Quelle: urgewald (2023)
In einer schwer vorhersehbaren Zeit ist es nicht ratsam, langfristige Entscheidungen zu treffen, die Investitionen an fossile Brennstoffe binden. Es besteht das Risiko, dass diese Investitionen nicht zurückgezahlt werden können oder dass aufgrund dieser Rückzahlungsverpflichtungen an fossilen Brennstoffen festgehalten wird.
Quelle: urgewald (2023)
Risiken
Weil durch die Maßnahme das gegenwärtig weithin (insbesondere in Mietshäusern) gebräuchliche Gas für Heizzwecke verknappt und damit verteuert wird, werden viele Menschen mit geringen Einkommen möglicherweise die Energiekosten nicht mehr bezahlen können. Deshalb müssen Mechanismen geschaffen werden, um genau diese Menschen zu unterstützen. Denn sie haben nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten sich der verändernden Situation anzupassen.
Dies könnte bürokratiearm durch ein Energiegeld erfolgen, das für alle gleich ist und aus den Einnahmen aus dem Handel mit THG-Zertifikaten finanziert wird.
Ebenso wie bei den Heizkosten wird Gas auch für die Industrie teurer. Das betrifft nicht nur die Erzeugung von Heizwärme sondern auch den Einsatz von Gas in industriellen Prozessen. Unter den gestiegenen Energiekosten könnte die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen leiden. Sie könnten zur Betriebsverlegung in Länder mit geringeren Energiekosten animiert werden, was in Deutschland den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten würde. Andererseits wird sich die Situation hinsichtlich der Kosten für fossile Energieträger auch in anderen Ländern ähnlich entwickeln wie in Deutschland, möglicherweise mit einem zeitlichen Verzug.
Es sollten Anreize verstärkt werden, um die Dekarbonisierung der Industrie voranzutreiben. Dies könnten beispielsweise Dekarbonisierungsprämien sein, um Erdgas durch Wasserstoff in industriellen Prozessen zu ersetzen. Sofern sich Unternehmen ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen (Strom und Wärme) versorgen, könnten verbilligte Stromtarife bzw. Wasserstofftarife angeboten werden. Zudem könnten Sonderabschreibungsmöglichkeiten für Investitionen zur Eigenversorgung mit erneuerbaren Energien und / oder die Gründung von und Beteiligung an Energieversorgungsgemeinschaften eingeführt werden.
Andy Gheorghiu Consulting, urgewald und Deutsche Umwelthilfe e.V (2023). Investitionen ins Klimachaos Wie deutsche Banken und Unternehmen Fracking-LNG-Projekte ermöglichen
International Energy Agency, World Energy Outlook 2022
Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln (EWI) gGmbH (2023). David Schlund, Max Gierkink,Michael Moritz, Jan Kopp, Jakob Junkermann, Hendrik Diers, Meike Vey, Analyse der globalen Gasmärkte bis 2035
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Namen der Bundesregierung, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Christian Leye, Dr. Gesine Lötzsch, Klaus Ernst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 20/4867, 2023
Prognos AG, Srikandam, R., Lübbers, S., Kreidelmeyer, S., Bornemann, M., Hobohm, J., (2023). LNG-Bedarf für die deutsche Energieversorgung im Prozess des Übergangs zur Klimaneutralität
ETH-Zürich, Diekmann, A. ; Bruderer Enzler, H. (2019). Eine CO2-Abgabe mit Rückerstattung hilft dem Klimaschutz und ist sozial gerecht
Sachverständigenrat Wirtschaft (2023) Kapitel 5, Energiekrise und Strukturwandel: Perspektiven für die deutsche Industrie, S. 56 ff.
Zuständige Bundesminister:innen
Bundestagsabgeordnete aus den zuständigen Ausschüssen
Andy Gheorghiu Consulting, urgewald und Deutsche Umwelthilfe e.V (2023). Investitionen ins Klimachaos Wie deutsche Banken und Unternehmen Fracking-LNG-Projekte ermöglichen
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Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Namen der Bundesregierung, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Christian Leye, Dr. Gesine Lötzsch, Klaus Ernst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 20/4867, 2023
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Sachverständigenrat Wirtschaft (2023) Kapitel 5, Energiekrise und Strukturwandel: Perspektiven für die deutsche Industrie, S. 56 ff.
Zuständige Bundesminister:innen
Bundestagsabgeordnete aus den zuständigen Ausschüssen