Stopp des Neubaus fossiler Kraftwerke in Deutschland zugunsten eines gezielten Ausbaus erneuerbarer Energien und Speichersysteme zur Sicherung der Energieversorgung und zur Erreichung der Klimaneutralität.
Der Baustopp für fossile Kraftwerke ist entscheidend für die Beschleunigung der Energiewende in Deutschland. Angesichts vorhandener Kapazitäten und möglicher Regelenergie-Reserven ist der Bau neuer Kraftwerke nicht notwendig. Stattdessen sollten die finanziellen Mittel in den Ausbau der erneuerbaren Energien und in Speichersysteme investiert werden, um die Versorgungssicherheit auch bei Dunkelflauten zu gewährleisten und gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen.
Die Bundesregierung plant Ausschreibungen für 12,5 GW Kraftwerkskapazität und 500 MW Langzeitspeicher.Die erste Säule beinhaltet 5 GW neue H2-ready-Gaskraftwerke, 2 GW H2-ready-Modernisierungen, 500 MW reine Wasserstoffkraftwerke und 500 MW Langzeitspeicher. Die Zweite Säule beinhaltet 5 GW neue Gaskraftwerke für Versorgungssicherheit in Dunkelflauten.
Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (2024)
Aktuell befinden sich zahlreiche Speichertechnologien in der Entwicklung, darunter fortschrittliche Batteriespeicher und innovative Ansätze wie thermische Speicher und Power-to-X-Technologien.
Quelle: Agora Energiewende (2024)
Flexibilisierte Biogasanlagen können kurzfristig 6 GW, mittel- und langfristig 24 GW zusätzlich erschließen. Die Wasserkraft kann sofort 1-2 GW und langfristig 3-3,5 GW zusätzliche Flexibilität bereitstellen. Hinzu kommen Heimbatterie- (13 GW kurzfristig bzw. 34 GW langfristig) und Großbatteriespeicher (14 GW bzw. 41 GW) sowie Geothermie (1 GW bzw. 3 GW).
Rechtliche Grundlage
Gegenwärtig soll der Bau in einem neuen Kraftwerksicherheitsgesetz verankert werden, welches dann obsolet werden würde.
Ausführliche Maßnahmenbeschreibung
Die Strategie sieht einen Planungs- und Genehmigungsstopp für neue fossile Kraftwerke vor. Stattdessen stehen die Optimierung der bestehenden Infrastruktur und der Ausbau der erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie im Vordergrund. Ergänzt wird dies durch die Weiterentwicklung von Speichersystemen wie Batteriespeichern, Pumpspeichern und anderen innovativen Speicherlösungen. Der Einsatz von Wasserstofftechnologien wird auf die Industrie fokussiert, um fossile Energieträger zu ersetzen, während der Einsatz im Verkehrs- und Energiesektor aufgrund hoher Kosten und ineffizienter Nutzung vermieden werden soll.
Bestehende Biomasse- und Biogasanlagen sollten verstärkt als flexible Energiequellen genutzt und nicht primär in der Grundlast betrieben werden. Externe Speicherlösungen, wie z.B. die Umrüstung bestehender Gasspeicher, sollten gefördert werden, um erneuerbare Energien optimal in das Stromnetz zu integrieren.
Hintergrund
Die aktuelle Kraftwerksstrategie der Bundesregierung, die den Bau neuer H2-kompatibler Gaskraftwerke vorsieht, bindet erhebliche finanzielle Mittel, die effizienter für den Ausbau erneuerbarer Energien und Speichertechnologien eingesetzt werden könnten. Ein Baustopp für neue fossile Kraftwerke ermöglicht es, diese Mittel für den dringend notwendigen Umbau der Energieinfrastruktur zu nutzen. Die vorhandenen Speicherkapazitäten und die Flexibilität der energieintensiven Industrie bieten bereits heute eine solide Basis, um den Regelenergiebedarf bis 2035 zu decken.
Der Umstieg auf erneuerbare Energien erfordert eine stärkere Integration von Speichern in die dezentrale Stromversorgung, was die Netzstabilität erhöht und neue fossile Kraftwerke überflüssig macht. Auch die Umstellung von Müllverbrennungsanlagen auf Pyrolyse kann die CO₂-Emissionen deutlich reduzieren und zusätzliche Energieträger wie Pyrolysegas und Pyrolyseöl bereitstellen.
Potentiale
Der Bau neuer Kraftwerke beinhaltet die Gefahr der Verschleppung der Energiewende aus finanziellen Gründen. Die getätigten Investitionen erfordern einen Betrieb, der ausreichend Einnahmen generiert und die Kosten wieder einnimmt. Zudem haben andere Technologien keinen Raum sich zu etablieren.
Quelle: Agora Energiewende (2024)
Die Fokussierung auf erneuerbare Energien und Speichertechnologien schafft Anreize für Forschung und Entwicklung. Dies führt zu technologischen Innovationen und ermöglicht es Deutschland, seine führende Position im Bereich nachhaltiger Energietechnologien auszubauen. Die Schaffung neuer Geschäftsmöglichkeiten in diesen Bereichen kann zudem zu wirtschaftlichem Wachstum und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze führen.
Quelle: Connect Energyeconomics (2024)
Sollten die Kraftwerke gebaut werden und der Markt darauf ausgerichtet sein, werden die alternativen Optionen der Nutzung der Flexibilitäten mangels Anpassung des Strommarktes nicht ausreichend genutzt.
Quelle: Connect Energyeconomics (2024)
Risiken
Sollte der Ausbau alternativer Speicher, erneuerbarer Energien oder die Umstellung auf Biogas nicht schnell genug erfolgen, müssten die Kohlekraftwerke nach 2030 zur Versorgungssicherheit weiter laufen.
Damit dies erfolgreich ist und die Kohlekraftwerke so schnell wie möglich runtergefahren werden, müssten die rechtlichen Weichen jetzt gelegt werden.
Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (2024) BEE-Positionspapier zur Kraftwerksstrategie
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (2024) Auf dem Weg zur klimaneutralen Stromerzeugung: Grünes Licht für Kraftwerkssicherheitsgesetz
Agora Energiewende, Sterner et al. (2024) Stromspeicher in der Energiewende
Connect Energyeconomics (2024)
Zuständige Bundesminister:innen
Bundestagsabgeordnete aus den zuständigen Ausschüssen
Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (2024) BEE-Positionspapier zur Kraftwerksstrategie
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (2024) Auf dem Weg zur klimaneutralen Stromerzeugung: Grünes Licht für Kraftwerkssicherheitsgesetz
Agora Energiewende, Sterner et al. (2024) Stromspeicher in der Energiewende
Connect Energyeconomics (2024)
Zuständige Bundesminister:innen
Bundestagsabgeordnete aus den zuständigen Ausschüssen