Für die Einführung des autonomen Fahrens im ÖPNV und On-Demand-Ridesharing im suburbanen und ländlichen Raum vor 2030 soll eine bundesweite Koordinierungsstelle eingerichtet werden. Hauptaufgabe soll die Sammlung und standardisierte Bereitstellung von Testdaten aus Reallaboren und die Koordination aller Beteiligten sein.
Im vorurbanen und ländlichen Raum ist ein bedarfsorientierter ÖPNV essenziell, um die zeitlichen und räumlichen Angebotslücken zu schließen und eine hochattraktive Alternative zum oft alternativlosen Pkw zu bieten. Doch die Lösung dafür - On-Demand-Ridesharing - ist aktuell aufgrund der hohen Fahrpersonalkosten nicht eigenwirtschaftlich darstellbar.6 7 8 9 Zudem droht ein genereller Fahrpersonalmangel im ÖPNV.8 9 14 Diese beiden zentralen Herausforderungen können durch autonomes und vernetztes Fahren bewältigt werden.10 Um diese Innovation zu beschleunigen, braucht es eine Bündelung von Kompetenzen und Sicherstellung der Verfügbarkeit und Interoperabilität der Daten für die Beteiligten.11 12 14 15 16
Im kommunalen ÖPNV werden bis 2030 etwa 30 % und bis 2035 knapp 50 % der Beschäftigten im Fahrdienst altersbedingt in den Ruhestand gehen.
Quelle: KCW GmbH (2024)
55 Millionen Menschen in Deutschland haben nur eingeschränkten Zugang zum ÖPNV. Im Umland von Großstädten und auf dem Land gibt es zwar Haltestellen, aber die Hälfte wird höchstens stündlich angefahren.
Quelle: ioki (2021)
In ersten Städten in China und den USA können selbstfahrende Autos bereits per App bestellt werden.
Quelle: Heise (2024)
Eine wichtige Brückentechnologie beim autonomen Fahren ist das ferngesteuerte Fahren über Mobilfunk: Wenn ein Fahrzeug aufgrund einer zu komplexen Verkehrssituation abschaltet, kann ein Mensch das Fahrzeug aus der Ferne wieder auf Kurs bringen.
Quelle: Tagesspiegel Background (2024a)
Ridesharing-Dienste individualisieren den öffentlichen Verkehr. Fahrgäste können jederzeit per App eine Fahrt im Kleinbus buchen, werden kurzfristig und in unmittelbarer Nähe abgeholt und zum gewünschten Ziel gebracht. Dabei fahren sie temporär mit anderen Fahrgästen auf einer gemeinsamen flexiblen Route, die ein Algorithmus berechnet.
Quelle: VCD (2018)
Rechtliche Grundlage
Zumindest ist eine gesetzliche Anpassung des Straßenverkehrsgesetzes und des Pflichtversicherungsgesetzes erforderlich. Diese Gesetze schaffen den Rahmen, damit vollautomatisierte Fahrzeuge (Stufe 4 von insgesamt 5) bundesweit im Regelbetrieb in definierten Betriebsbereichen auf öffentlichen Straßen fahren dürfen. Darüber hinaus ist eine Anpassung der Verordnung zum ferngesteuerten Fahren erforderlich, die kurz vor der Verabschiedung steht. Damit besteht bereits eine gute Rechtsgrundlage, die weiter ausgebaut werden kann.
Anpassungsbedarf besteht beim Personenbeförderungsgesetz, an den Stellen, die noch auf die manuelle Fahrzeugsteuerung durch eine Person ausgerichtet sind.17
Ausführliche Maßnahmenbeschreibung
Die strategische Förderung und Beschleunigung der Kommerzialisierung des autonomen Fahrens soll durch eine zentrale Stelle mit Fokus auf ÖPNV ermöglicht werden. Autonomes Fahren ist keine ferne Zukunft mehr, sondern kann bereits in den nächsten Jahren (vor 2030) Realität werden.13 Künstliche Intelligenz kann das fehlendes Fahrpersonal im ÖPNV und das neu benötigte Personal bei On-Demand-Ridesharing-Diensten ersetzen, wodurch letztere wirtschaftlich werden. Die beim Bundesministerium für Digitalisierung und Verkehr (BMDV) angesiedelte Stelle würde alle Daten und Erkenntnisse aus öffentlich geförderten Testaktivitäten und Reallaboren sammeln und allen interessierten Stakeholdern zur Verfügung stellen, um Synergieeffekte zu nutzen, und den Prozess mit allen Beteiligten koordinieren. Involviert wären Testfeldbetreibende und -nutzende, Politik, Industrie und Forschung. Dabei könnten auch grundsätzliche Fragen, wie etwa zu Datenschutz und -sicherheit sowie zu einheitlichen technischen Schnittstellen und Datenformaten, zentral geklärt werden.
Potentiale
Risiken
Ohne einen angemessenen Rahmen birgt On-Demand-Ridesharing die Gefahr, zu zusätzlichem Verkehr zu führen und mit dem bestehenden ÖPNV-Angebot zu konkurrieren. Es braucht einen Fokus auf den vorurbanen und ländlichen Raum und es muss als komplementäre Komponente in den ÖPNV integriert werden.
Quelle: VCD (2018)
KCW GmbH (2024): Kurzstudie zum Personalbedarf im kommunalen ÖPNV bis 2030/35
ioki (2021) Deutschlandweite Analyse der ÖPNV-Abdeckung mit Fokus auf dem ländlichen Raum. ioki Mobility Discussion Paper Series // Nr. 01.21
Heise (2024) Stop and Go: Die Hürden für autonome Autos von Cruise, Waymo und Co.
Tagesspiegel Background (2024a) Wissing will ferngesteuertes Fahren erlauben
VCD (2018) On-Demand-Ridesharing: Nur als Teil des ÖPNV eine Chance für die Verkehrswende
Tagesspiegel Background (2024b) ÖPNV. Bedarfsverkehre auf der Kippe
traffiQ (2022) EASY rollt autonom und auf Abruf durch Frankfurt-Riederwald
Zukunftsnetzwerk ÖPNV: Reallabore mit autonomen Kleinbussen. Autonome Kleinbusse als On-Demand-Verkehre: Im realen Probebetrieb sollen Verkehrsverlagerungseffekte und Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden.
Agora Verkehrswende (2023) Mobilitätsoffensive für das Land. Wie Kommunen mit flexiblen Kleinbussen den ÖPNV von morgen gestalten können
RethinkX (2021) Rethinking Climate Change. How Humanity Can Choose to Reduce Emissions 90% by 2035 through the Disruption of Energy, Transportation, and Food with Existing Technologies. S. 28f
Tagesspiegel Background (2024c) Autonomes Fahren. Länder fordern vom Bund mehr Engagement.
NRW (Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW, (2024) Länderübergreifendes Pilotprojekt zur Koordinierung der Testfeldaktivitäten zur automatisierten und vernetzten Mobilität: Präsentation der Ergebnisse in Berlin.
BMDV (Bundesministerium für Digitales und Verkehr, (2023) Bund und Hamburg bringen „Autonomes Ridepooling“ auf die Straße
CDU Baden-Württemberg (2023) Fachkräftemangel gegensteuern - Öffentlichen Nahverkehr stärken.
Deutscher Bundestag (2024) Unionsfraktion fragt nach Projekten zum autonomen Fahren. Verkehr — Kleine Anfrage — hib 430/2024
Deutscher Bundestag (2024b) Union fordert moderne Regulierung von Mobilitätsdaten. Verkehr — Antrag — hib 226/2024
Yen, Robert / Braun Binder, Nadja / Pitzen, Constantin / Schippl, Jens (2023) Automatisierter ÖPNV. Hintergründe und praktische Anleitung zur Umsetzung in kleineren Städten und ländlichen Regionen. S. 232
Zuständige Bundesminister:innen
Bundestagsabgeordnete aus den zuständigen Ausschüssen
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