Das Ziel der Bundesregierung, den Güterverkehrsanteil bis 2030 auf 25 % zu steigern, soll auf 30 % erhöht werden.2 Damit einhergehend soll ein bundesweiter Aufgabenträger geschaffen werden, vergleichbar mit den Aufgabenträgern des ÖPNV. Dieser Aufgabenträger soll den Ausbau von Gleisanschlüssen, den Einzelwagenverkehr sowie den Bau von Terminals für den kombinierten Verkehr Straße/Schiene im Rahmen einer gemeinwirtschaftlichen Leistung sicherstellen.
Der Betrieb einzelner Wagen und Gleisanschlüsse ist kostenintensiv und kann sich nicht immer selbst tragen8, , was dazu führt, dass der Lkw-Verkehr in diesen Bereichen dominiert. Zudem sind die Kapazitäten der Umschlagterminals für den kombinierten Straße/Schiene-Verkehr begrenzt und müssen dringend ausgebaut werden .6 7 Ein bundesweiter Aufgabenträger kann neue Gleisanschlüsse beauftragen sowie die benötigten Leistungen im Einzelwagenverkehr (über die aktuelle Förderung hinaus) bereitstellen. Dadurch wird der Schienengüterverkehr individualisiert und strategisch in die Fläche gebracht. Zusammen mit dem strategischen Ausbau von Terminals wird so das Ausweichen auf den Lkw systematisch vermieden.
Durch eine Verlagerung auf die Schiene können die Treibhausgasemissionen der transportierten Güter von 121 g/Tonnenkilometer (Lkw) auf 16 g/tkm gesenkt werden; dies entspricht einem 7,5-fachen Klimavorteil.
Quelle: UBA (2022)
Durch den kombinierten Verkehr werden die relativen Stärken der einzelnen Verkehrsträger optimal genutzt, indem Güter den überwiegenden Teil der Gesamtstrecke mit der Bahn und den restlichen möglichst kurzen Teil mit dem Lkw transportiert werden. Allerdings fehlen derzeit (2024) in Deutschland Reformen und Investitionen, die diese Verlagerung gezielt unterstützen – wie etwa die Förderung von Umlade-Terminals. Im Vergleich zu anderen großen EU-Ländern hinkt Deutschland in diesem Bereich deutlich hinterher.
Quelle: Europäischer Rechnungshof (2023)
Ausführliche Maßnahmenbeschreibung
Der Güterverkehrsanteil in Deutschland lag 2022 bei rund 20%.1, Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Anteil bis 2030 auf 25% zu steigern. Dieses Ziel soll auf 30% erhöht werden2 und 2035 bei mind. 35 % liegen, was als ambitioniert, aber realistisch eingeschätzt wird.4
Zur Unterstützung dieser Zielvorgaben soll ein bundesweiter Aufgabenträger eingerichtet werden, der unabhängig von bestehenden Eisenbahnverkehrs- und –infrastrukturunternehmen agiert. Dieser soll als Anstalt öffentlichen Rechts organisiert und dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) unterstellt werden. Er kann auch in die Institution eingegliedert werden, die den Fahrplan für den Deutschlandtakt entwirft oder sollte mit dieser zumindest alle Daten reibungslos teilen können.
Der Aufgabenträger
1) identifiziert bestehende Defizite im Einzelwagenverkehr und in der Gleisanschlussbedienung,
2) bestimmt den Mindest-Leistungsumfang für den Güterverkehr,
3)beauftragt Eisenbahnverkehrsunternehmen, diese Leistungen im Rahmen einer gemeinwirtschaftlichen Verpflichtung über einen längeren Zeitraum zu erbringen. Dabei erhalten die Eisenbahnverkehrsunternehmen garantierte Preise vom Aufgabenträger, sodass sie nicht auf die vermutlich unzureichenden Transporteinnahmen angewiesen sind. Diese Verluste dürfen gemacht werden und die Finanzierung erfolgt als gemeinwirtschaftliche Leistung,
4) Nicht zuletzt plant und finanziert der Aufgabenträger den notwendigen Ausbau der Infrastruktur, einschließlich der Erweiterung von Strecken und dem Bau von Terminals für den kombinierten Verkehr. In diesem Kontext wird zudem eine Reform des Baurechts vorgeschlagen, wonach große neue Gewerbegebiete mit erwartetem hohem Verkehrsaufkommen nur mit einem Gleisanschluss genehmigt werden sollten. Aktuell müssen sich betroffene Unternehmen an den Kosten für Gleisanschlüsse beteiligen, was dazu führt, dass Gleisanschlüsse häufig gar nicht gebaut werden.5
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Begriffserklärung:
* Beim Einzelwagenverkehr werden einzelne Wagen oder Wagengruppen verschiedener Versender zu einem Zug gebündelt und über ein mehrstufiges Transportnetz befördert, das in der Regel aus mehreren Zügen und Knotenpunkten besteht. Aufwendig sind dabei die sogenannte "erste" und "letzte Meile", also das Sammeln und Verteilen der einzelnen Wagen in der Fläche, sowie die häufigen Umstellvorgänge, wenn ein Wagen mit einem neuen Zug weitertransportiert wird.
* Eine gemeinwirtschaftliche Leistung ist eine Leistung, die im öffentlichen Interesse erbracht wird, deren Kosten jedoch nicht vollständig durch Erlöse gedeckt werden können.
Allianz pro Schiene (2023): Marktanteile: Der Erfolgskurs der Güterbahnen gerät ins Stocken.
Deutsche Bahn (2023): Mehr Digitalisierung und fairer Wettbewerb mit der Straße für mehr Güter auf der klimafreundlichen Schiene
UBA (Umweltbundesamt, 2022): Emissionsdaten.
Vergleich der durchschnittlichen Emissionen einzelner Verkehrsmittel im Güterverkehr.
NEE (2019): Güterverkehrsverlagerung aus Betreibersicht, S. 41.
Allianz pro Schiene (2020): 10 GRÜNDE - Warum die Verlagerung von Transporten auf die Schiene nicht schneller vorankommt.
SRU (2017): Umsteuern erforderlich: Klimaschutz im Verkehrssektor. S. 105.
Europäischer Rechnungshof (2023): Sonderbericht Intermodaler Güterverkehr: Die EU ist noch weit davon entfernt, den Güterverkehr von der Straße zu holen. S. 58
Lok Report (2024): VDV: EU-Notifizierung der Förderrichtlinie zum Einzelwagenverkehr begrüßt.
Zuständige Bundesminister:innen
Bundestagsabgeordnete aus den zuständigen Ausschüssen
Allianz pro Schiene (2023): Marktanteile: Der Erfolgskurs der Güterbahnen gerät ins Stocken.
Deutsche Bahn (2023): Mehr Digitalisierung und fairer Wettbewerb mit der Straße für mehr Güter auf der klimafreundlichen Schiene
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Vergleich der durchschnittlichen Emissionen einzelner Verkehrsmittel im Güterverkehr.
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Zuständige Bundesminister:innen
Bundestagsabgeordnete aus den zuständigen Ausschüssen